"Das Burgenland und der Fall des Eisernen Vorhanges"
Ausstellung im Landesmuseum Burgenland
7. Oktober bis 20. Dezember 2009
Im Spätsommer und Herbst 1989 ereignete sich vor unserer Haustür das wahrscheinlich bedeutendste historische Ereignis aller Zeiten. Der Eiserne Vorhang - eine Bruchlinie der Menschlichkeit, welche die sowjetische Einflusssphäre von der westlichen Welt mehr als 40 Jahre hermetisch abriegelte – wurde überwunden. Hunderte Menschen starben in den Jahren von 1948 bis 1989 beim Versuch diesen zu überwinden. Das Bild mit den beiden Außenministern Alois Mock und Gyula Horn vom Durchschneiden des Stacheldrahtes ging um die Welt und steht als Symbol für das Ende des Kalten Krieges.
Im Jahr 1948 wurde mit dem Bau der mechanischen Sperranlage begonnen. Dahinter befand sich der gefürchtete Minengürtel. Doch bereits 1955/56 wurde der Stacheldraht erstmals entfernt. Die Tauwetterperiode nach dem Tod Stalins machte es möglich. Nach dem Trauma des Volksaufstands des Jahres 1956 wurde er wieder errichtet, höher denn je. 1965 modernisiert begann am 2. Mai 1989 der kaum wahrgenommene Abbau. Durchlässig wurde die burgenländisch-ungarische Grenze erstmals am 19. August im Zuge einer Veranstaltung der Paneuropa Bewegung im St. Margarethener Grenzgebiet. 600 DDR Bürger kehrten nach einem „spontanen“ Besuch im Burgenland nicht mehr zurück. Im Sommer 1989 sah das Burgenland eine beispiellose Fluchtbewegung, doch erst am 11. September 1989 war der Vorhang tatsächlich gefallen. An diesem Tag kündige Ungarn einseitig das Reiseverkehrsabkommen mit der DDR. Damit durften Bürger des Ostblocks ungehindert die burgenländisch-ungarische Grenze passieren.
Die samtenen Revolutionen der folgenden Monate brachten die Demokratisierung des Ostblocks – nicht immer ohne Gewaltanwendung – wie das Beispiel der Rumänischen „Revolution“ zeigt. Infolge zerfielen unsere Nachbarländer Tschechoslowakei und Jugoslawien. Die UdSSR löste sich auf. In Ungarn waren 1989 die politischen Reformen am weitesten fortgeschritten. Zudem öffnete sich das Land marktwirtschaftlich.
Das Burgenland zählte zweifellos zu den Gewinnern dieser Entwicklung. In kürzester Zeit drehte sich die Handelsbilanz mit unserem ungarischen Nachbarn um. Vor allem Autos, Kühlschränke und im Osten nicht erhältliche Luxusartikel sorgten für satte Gewinne in Burgenlands Handel und Wirtschaft. Das Land wurde aber auch für preisgünstige Dienstleistungen attraktiv. Ein weiterer wirtschaftlicher Impuls erfolgte mit dem Beitritt der ehemaligen Ostblockstaaten zur EU im Zuge der so genannten EU-Osterweiterung. Bis zur aktuellen Krise der Wirtschaft war der Osten Synonym für satte Gewinne.
Die Ausstellung „Das Burgenland und der Fall des Eisernen Vorhanges“ rückt dieses weltpolitische Ereignis in den Mittelpunkt und beschreibt die Rolle des Burgenlandes bei dem Prozess der gesellschaftlichen und ökonomischen Demokratisierung.

